Weniger Igel in der Stadt: Ein kleiner Fussgänger unter Druck

Dienstag, 29. September 2020
Igel leben heute im Siedlungsraum in höherer Dichte als in ländlichen Gebieten. Doch selbst hier geraten Igel zunehmend unter Druck. Eine neue Studie aus der Stadt Zürich zeigt, dass die Igelpopulation hier über die letzten 25 Jahre um 40% abgenommen hat und die Fläche, welche von Igeln besiedelt wird, um 18% geschrumpft ist.

Das von der Forschungsgemeinschaft SWILD initiierte Projekt StadtWildTiere sammelt Wildtierbeobachtungen aus der Bevölkerung auf einer online-Meldeplattform. Ziel ist, auf städtische Natur und Wildtiere aufmerksam zu machen, ein möglichst vollständiges Bild zu Vorkommen und Verbreitung der Wildtiere zu erhalten und anhand dieser Grundlage gefährdete Arten zu fördern und zu einem guten Zusammenleben zwischen Mensch und Wildtier beizutragen. Neben Bern, Chur, Luzern, St.Gallen, Winterthur und Zürich sind auch Wien und Berlin Teil des Projektes. Beobachtungen von Wildtieren (möglichst mit Foto) können hier gemeldet werden: StadtWildTiere.ch

Die Meldeplattform und das Igelprojekt in der Stadt Zürich werden von Förderstiftungen und Grün Stadt Zürich finanziell unterstützt.

Datenerfassung mithilfe der Bevölkerung

Die Grundlagen der Studie sind die Daten aus zwei Citizen Science-Projekten: ein aktuelles Projekt der Beobachtungsmeldeplattform StadtWildTiere aus den Jahren 2016 bis 2018 und ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 1992. Damals wurde die Bevölkerung von Zürich mittels Meldekarten aufgerufen, Beobachtungen von Igeln zu melden. Zudem wurden Igel in zwei Untersuchungsgebieten mittels Telemetrie erforscht und anhand von Igelzählungen eine Populationsschätzung vorgenommen. Diese Daten wurden verglichen mit den neuen Untersuchungen im Rahmen des Citizen Science Projekts StadtWildTiere (siehe Kasten), welches mit der Stadtbevölkerung Beobachtungen von Igeln auf der Meldeplattform stadtwildtiere.ch sammelt.

Mit Spurentunneln die Verbreitung der Igel erforscht

Im Jahr 2016 wurde zusätzlich die Verbreitung der Igel systematisch mittels Spurentunnel in der Stadt Zürich erfasst, unter Mithilfe der Bevölkerung. Spurentunnel sind eine gängige wildtierbiologische Methode, bei welcher plastifizierte Kartontunnel, bestückt mit Farbkissen und Papierstreifen, im Lebensraum der Igel aufgestellt werden. Läuft ein Igel durch einen Spurentunnel, hinterlässt er seine Fussabdrücke auf dem Papier. Die Spuren geben damit Aufschluss über das Vorkommen des kleinen Wildtiers. Zudem wurde 2017 die Bestandesgrösse mit der Fang-Wiederfang-Methode erfasst.

Markanter Rückgang der Igelpopulation, Gründe noch im Dunkeln

Der Vergleich der Daten aus den zwei Citizen Science-Projekten zeigt auf, dass die Igelpopulationen in den letzten 25 Jahren stark zurückgegangen sind: Die Bestandesgrösse in der Stadt Zürich hat sich um 40% reduziert (von rund 1500 auf weniger als 900 Igel) und das von Igeln bewohnte Stadtgebiet ging um 18% zurück.

Rückfragen

Anouk Taucher, Geschäftsstelle StadtWildTiere, c/o SWILD, Zürich,
Tel. 044 450 68 09, anouk.taucher@swild.ch

Bilder
Die nachfolgenden Bilder stehen für den Gebrauch im Zusammenhang mit der Medienmitteilung bei korrekter Zitierung der Bildautoren kostenfrei zur Verfügung.
Laut einer neuen Studie der Forschungsgemeinschaft SWILD und der Meldeplattform stadtwildtiere.ch sind die Igel in der Stadt Zürich in den letzten Jahren stark zurück gegangen.

Grüne Wohngebiete im Siedlungsgebiet galten lange als Refugien für Igel.
Verbreitungskarte der Igel in den zwei Untersuchungsperioden: Nachweise im Jahr 1992 (Kreise) und aktuell (Punkte).
Mittels Spurentunnel wurde die Verbreitung der Igel in der Stadt Zürich erfasst. Igel, die durch den Tunnel mit Tintenpad laufen, hinterlassen ihre Fussabdrücke.
Spurenblatt mit Igelspuren zum Nachweis des Igelvorkommens.